Geschichte des Ortsteils Bernsbach

Als vor 800 Jahren vermutlich fränkische Bauern dem Ruf ihrer Herrschaft folgten und in großen Siedlerströmen gen Osten zogen, waren es 12 Familien, die wohlbedacht ihren Wohnsitz am sonnigen Südhang des Spiegelwaldes wählten. Vielleicht bot sich Ihnen schon damals von den Gipfeln der höchsten Bäume diese Aussicht, die auch heute noch Tausende in ihren Bann zieht.

Mag der Name des Führers dieser ersten Siedler oder ein Mönch aus dem Grünhainer Kloster, der dieselben betreute, als Taufpate fungiert haben, fest steht, dass 1240 Bernsbach als "Wernhardißbach" (Dorf des Bernhard am Bach) erstmals urkundlich erwähnt wird. Dann hüllen über 200 Jahre unseren Ortsteil in das Dunkel der Geschichte.

Um 1470 wird er als "Villa Pernsbach" im Zerminbuch der Zwickauer Franziskanermönche genannt, und von 1501 stammt die erste Nennung eines Bernsbacher Einwohners (Hans Broger). Nach 1500 werden die Quellen gesprächiger, und uns werden die Namen der 1533 hier ansässigen Familien genannt, von denen 3 bis in unsere Zeit hier ansässig sind (Richter, Reinwardt, Fischer). 1538 zogen Hammerarbeiter aus Wunsiedel und der Oberpfalz ins Erzgebirge und bauten 1539/40 im Oberdorf ihre Häuslein. Mit ihnen kam die Blechbearbeitung in unseren Ortsteil, die um 1650 ihren Aufschwung nahm.

Mit dem Bau der Kirche "Zur Ehre Gottes" (Bauzeit 1679-1681) und der vollständigen Loslösung von der Muttergemeinde Beierfeld (1691) wurden sich die Bernsbacher ihrer selbst bewusst, und Bernsbach wandelte sich vom Bauern- und Köhlerdorf zu einer Handwerks- und Gewerbegemeinde. Neben der Blechverarbeitung und Klempnerei war die Löffelmacherei über viele Jahrzehnte hinweg ein Haupterwerbszweig der Bernsbacher Einwohner. Über 70 Arten von Löffeln wurden hergestellt und bis Spanien, Russland und Polen gehandelt. Ebenso wie die Schwammmacherei, die um 1800 ihre Zentrale hatte, waren die Schwefelfadenzieherei und das Spitzenklöppeln Haupterwerbszweig. Bernsbacher Handelsleute machten Bernsbach weit über die Grenzen Sachsen hinaus bekannt, und mancher Künstler und Musiker hatte in Bernsbach seinen Ursprung. Besonders erwähnenswert ist dabei die Familie Stiehler.

In der Folge der allgemein zunehmenden Industrialisierung entstanden auch in Bernsbach erste kleine Fabriken, die sich im Laufe der Zeit zu Großunternehmen entwickelten. So galt die Fa. Schneider und Korb um 1935 als ein Musterbetrieb der deutschen Wirtschaft. Mit dem Bau der Eisenbahn (1900), dem Gaswerk (1907-1912) und dem Wasserwerk (1901-1910) hatte sich die Bernsbach große Ziele gesetzt. Sogar eine öffentliche Badeanstalt existierte (1913-1919). Das Ortsbild wandelte sich immer mehr zu einer Industriegemeinde. Dieser Wandel wurde auch unter dem damaligen Bürgermeister Paul Martin besonders deutlich (Neubau der Schule, des Rathauses, neue Wohngebiete und Straßen).

Ebenso reich wie das Gemeinde- war auch das Vereinsleben. Neben der 1871 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr gab es z.B. den Krankenhilfsverein, Schützenverein, Bildungsverein, Gesangsverein "Liederkranz", Militärverein, EZV "Spiegelwald" (zusammen mit Grünhain und Oberpfannenstiel), Jungfrauenverein, Landwirtschaftsverein, Turnverein und viele andere. Sie waren Träger des kulturellen Lebens im Ort und sollten es bald wieder sein. So war auch das Marionettentheater von Emil Ficker weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt.

Seit dem 1. Januar 2013 ist Bernsbach Teil der Stadt Lauter-Bernsbach.

Matthias Herrmann