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Liebe Leserinnen und Leser unseres Mitteilungsblattes,

Sicher ist im Moment jedoch eines: „Die Weihnacht im Arzgebirg“ – das ist etwas, worauf wir uns hier jedes Jahr aufs Neue freuen. Da wird traditionell geschmückt, es wird gebastelt, auch noch geschnitzt und geklöppelt, „de Peremed ageschum“ und manch Racherkarzl vernabelt. Der Stolln wird auch noch selbst gebacken oder kommt mindestens von heimischen Bäckermeistern. Und das Schönste, es zieht etwas mehr Frieden und Ruhe ein und viele treffen sich zur Mettenschicht oder finden sogar mal wieder die Kirche. Das macht uns zufriedener.

Diese Traditionen entwickelten sich damals in einer geschundenen, armen Region. Die Arbeit war hart, der Lohn karg. Der Stollen mit den guten Zutaten war daher etwas ganz Besonderes, das Weihnachtsessen nicht selbstverständlich. Geld für Geschenke an die Kinder stand nicht mehr zur Verfügung. Wenn ich mit unseren ältesten Bewohnern der Stadt spreche, dann berichten sie mir, dass sie dennoch sehr zufrieden und auch glücklich waren - zumindest in den kriegsfreien Jahren.

Was ist heute los in der Welt? Weihnachten beginnt in den Kaufhäusern schon im September, fette Lebkuchen, Glühwein, Gänsebraten - alles ist doch selbstverständlich. Die Weihnachtswünsche werden schon übers Jahr erfüllt und Weihnachten fragt man sich: Was schenke ich nur den Kindern? Dennoch verspüre ich immer mehr Unzufriedenheit in unserer Gesellschaft. Wir haben doch viel erreicht. Wenn man gesund ist, dann geht es uns doch eigentlich gut. Warum diese Unzufriedenheit? Eine einfache Antwort kann ich leider nicht finden. Wesentlichen Einfluss auf die Unzufriedenheit haben sicher die Schlagzeilen und die platten Sprüche in den Medien und den sozialen Netzwerken, welche schnell beleidigend sind und manche sogar Hass versprühen. Schwierige Themen werden einfach mit populistischen Antworten abgetan, anstatt sich damit offen und ehrlich auseinanderzusetzen. Der Egoismus und das sinkende Verständnis für die Gemeinschaft, die uns in den letzten Jahren im Erzgebirge so stark machte, machen sich breit. Dabei macht doch Gemeinschaft stark.

Menschen, welche in Not sind oder sich in einer schlechten Zeit befinden, rücken zusammen, der Solidargedanke wächst, die Gemeinschaft wird gepflegt, die Ellenbogen werden eingefahren. Da werden Leistungen von Menschen anerkannt, die etwas für alle tun, man hilft sich. Alle sind in diesen Zeiten „gleicher“.

Zum Glück geht es uns gut und dennoch wünsche ich mir und Ihnen vom ganzem Herzen, dass wir gerade in der Weihnachtszeit den Weg zur Einfachheit, zur Bescheidenheit, Zufriedenheit und zur Gemeinschaft finden und dies mit ins neue Jahr nehmen können. Die Botschaft vom Christkind hält uns gerade dies immer wieder vor Augen.

 

Eine kleine Fabel möchte ich gerne noch weitergeben, die sehr zum Nachdenken anregt:

„Vor langer Zeit, da sah ein Mann im Wald einen Fuchs, der alle vier Beine verloren hatte. Und er wunderte sich, dass das Tier, das keine Beute mehr jagen konnte, noch lebte. Doch dann erblickte er einen Tiger, der Wild gerissen hatte. Nachdem er sich sattgefressen hatte, überließ er den Rest seiner Beute dem beinlosen Fuchs. Anderntags ernährte Gott den Fuchs abermals mit Hilfe des Tigers. Der Mann war erstaunt über die Güte und Sorge Gottes gegenüber dem beinlosen Fuchs. Bei sich sagte er: »Auch ich werde mich in einer gemütlichen Ecke ausruhen und den Herrn für mich sorgen lassen. Wenn ich nur Vertrauen habe, wird er mir schon das Nötige geben.« Viele Tage vergingen, aber es geschah nichts und der Mann saß immer noch in seiner Ecke. Er war dem Hungertod nahe. Da vernahm er eine Stimme: »Du bist auf dem falschen Weg. Folge dem Beispiel des Tigers und nimm dir nicht den behinderten Fuchs zum Vorbild!« Später traf der Mann auf der Straße ein kleines frierendes Mädchen. Sie zitterte in ihrem dünnen Kleid und hatte schon lange nichts mehr zu essen bekommen. Da wurde er zornig und beklagte sich bei Gott: »Wie kannst du das zulassen? Den Fuchs erhältst du am Leben, aber dieses kleine Mädchen lässt du hungern und frieren. Warum tust du nichts dagegen?« Eine Weile sagte Gott nichts. Doch in der Nacht antwortete Gott dem Mann: »Ich habe etwas dagegen unternommen, ich habe dich geschaffen!«"

»Lasst also nicht nach in eurem Bemühen, Gutes zu tun.« (Galater 6,9)

 

Ich wünsche Ihnen eine frohe und gesegnete Weihnacht und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Ihr Thomas Kunzmann

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